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Steuern / Einkommensteuer 
Dienstag, 04.12.2018

Kein weiterer Kindergeldanspruch nach zwischenzeitlicher Berufstätigkeit im erlernten Ausbildungsberuf als Landwirt

Das Finanzgericht Niedersachsen entschied, dass eine einjährige Berufstätigkeit im erlernten Ausbildungsberuf, die Voraussetzung für einen weiteren Ausbildungsabschnitt ist, eine Zäsur darstellt, die den engen Zusammenhang einer mehraktigen Ausbildungsmaßnahme für Zwecke einer einheitlichen Erstausbildung entfallen lässt (Az. 12 K 61/17).

Im vorliegenden Fall war die Klägerin Mutter des im Streitzeitraum volljährigen Kindes. Das volljährige Kind absolvierte zunächst eine Ausbildung zum Landwirt. Für die Dauer der Ausbildung gewährte die Familienkasse der Klägerin Kindergeld. Als die Familienkasse die Kindergeldfestsetzung ab dem Monat Juli aufhob, beantragte die Klägerin Kindergeld ab dem Monat August und teilte mit, dass das Ausbildungsverhältnis am 31.07. beendet worden sei und dass das Kind nunmehr ein Praxisjahr absolviere. Ab August des Folgejahres werde das Kind jedoch die landwirtschaftliche Fachschule besuchen. Sodann hob die Familienkasse die Kindergeldfestsetzung ab August auf. Ein weiterer Kindergeldanspruch bestehe nicht mehr, da das Kind die Berufsausbildung im Juli beendet habe und sich somit nicht mehr in Ausbildung befinde. Dagegen klagte die Mutter.

Das FG Niedersachsen wies die Klage ab. Im Streitfall stellen die Ausbildung zum Landwirt und die zweijährige Ausbildung an der Fachschule für Agrarwissenschaft – trotz des bestehenden sachlichen Zusammenhangs – keine Ausbildungseinheit dar, weil sich die zweijährige Fachschule erst nach einer einjährigen Berufstätigkeit anschließe. Die vorliegende Ausbildung an der Fachschule stelle eine die berufliche Erfahrung berücksichtigende Zweitausbildung dar. Die vor dem Beginn des zweiten Ausbildungsabschnitts erforderliche Berufstätigkeit führe zu einem Einschnitt (Zäsur), der den notwendigen engen Zusammenhang entfallen lasse. Denn einzelne Ausbildungsabschnitte können regelmäßig nicht mehr integrative Teile einer einheitlichen Ausbildung sein, wenn – wie im Streitfall – eine Berufstätigkeit zwischen den einzelnen Ausbildungsabschnitten aufgenommen werde, die nicht nur der zeitlichen Überbrückung bis zum Beginn der nächsten Ausbildung diene. Daher habe das Kind seine Erstausbildung bereits mit Abschluss der Ausbildung zum Landwirt abgeschlossen.

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