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Steuern / Einkommensteuer 
Montag, 29.10.2018

Makler-, Rechtsanwalts- und Notarkosten bei Veräußerung eines Grundstücks als Werbungskosten einer vermieteten Immobilie

Das Finanzgericht Köln hat zu der Frage Stellung genommen, ob die Aufwendungen (Makler-, Rechtsanwalts- und Notarkosten) im Zusammenhang mit der Veräußerung eines Hauses, welches nicht der Einkünfteerzielung diente, durch die Zuordnung des größten Teils des daraus erzielten Veräußerungserlöses zum Erwerb einer vermieteten Eigentumswohnung, (anteilig) als sofort abzugsfähige Finanzierungskosten zu qualifizieren sind (Az. 3 K 2364/15).

Im vorliegenden Fall war die Klägerin Eigentümerin eines Einfamilienhauses, das ihr von ihrem Vater gegen Einräumung eines lebenslänglichen Nießbrauchsrechts übertragen worden war. Die Eltern der Klägerin nutzten das Einfamilienhaus auch Anfang 2013 noch zu Wohnzwecken ohne Mietzahlungen. Im Mai 2013 erwarb die Klägerin für rund 172.000 Euro von einer Wohnungsbaugesellschaft eine noch zu errichtende Eigentumswohnung. Die Klägerin hatte die Absicht, diese nach Fertigstellung an ihre Eltern zu vermieten. Zur Finanzierung des Kaufpreises nahm die Klägerin ein tilgungsfreies und bis zum 31.08.2014 befristetes Darlehen bei einer Bank auf. Bis zu diesem Termin wollte sie das Einfamilienhaus verkauft haben und aus dem Erlös das Darlehen zurückzahlen. Am 18.10.2013 schloss die Klägerin mit M einen Notarvertrag über den Verkauf des Einfamilienhauses, der jedoch platzte. Der Klägerin entstanden aufgrund dessen Rechtsanwaltskosten und Notarkosten. Die Eigentumswohnung wurde im Mai 2014 bezugsfertig und von der Klägerin an ihre Eltern vermietet. Im Juni 2014 verkaufte die Klägerin über eine Immobilienmaklerin das inzwischen leerstehende Einfamilienhaus. Mit dem Verkaufserlös tilgte die Klägerin wie von vornherein vorgesehen das Darlehen. In ihrer Einkommensteuererklärung für 2014 deklarierte sie die Eigentumswohnung als Vermietungsobjekt und die ihr im Zusammenhang mit der Veräußerung des Einfamilienhauses entstandenen Kosten machte sie dabei als Werbungskosten für die Finanzierung des Erwerbs der Eigentumswohnung geltend. Das Finanzamt berücksichtigte die angesetzten Werbungskosten nicht.

Das Finanzgericht Köln entschied, dass Makler-, Rechtsanwalts- und Notarkosten, die für den Verkauf einer nicht vermieteten Immobilie angefallen sind, als Werbungskosten bei einer aus dem Verkaufserlös angeschafften und vermieteten Immobilie zu berücksichtigen sind.

Gegen das Urteil ist die Revision beim Bundesfinanzhof anhängig (BFH-Az.: IX R 22/18).

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