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Steuern / Einkommensteuer 
Dienstag, 09.04.2019

Kosten einer Kinderwunschbehandlung als außergewöhnliche Belastung bei einer vierzigjährigen Frau

Die Aufwendungen einer vierzigjährigen Frau für eine künstliche Befruchtung sind nicht als außergewöhnliche Belastung zum Abzug zuzulassen, da eine altersbedingt verminderte Fruchtbarkeit keine Krankheit ist. So entschied das Finanzgericht Berlin-Brandenburg (Az. 9 K 11390/16).

Eiine unverheiratete Frau machte in ihrer Einkommensteuererklärung Aufwendungen für eine künstliche Befruchtung in Höhe von 12.531,85 Euro geltend. Das Finanzamt forderte sie auf, Nachweise für die Zwangsläufigkeit der Aufwendungen beizubringen. Beispielsweise fehle der Nachweis, ob die Frau keine Kinder bekommen oder ob der Lebensgefährte der Klägerin keine Kinder zeugen könne. Die Frau war der Meinung eine medizinische Indikation müsse nicht nachgewiesen werden. Darauf ließ das Finanzamt die geltend gemachten Aufwendungen mangels Nachweises der Zwangsläufigkeit nicht zum Abzug zu. Dagegen wehrte sich die Frau im Wege der Klage.

Das FG Berlin-Brandenburg entschied, dass das Finanzamt die Aufwendungen der Frau für die durchgeführte Kinderwunschbehandlung zu Recht nicht als außergewöhnliche Belastung berücksichtigt hat. In ständiger Rechtsprechung gehe der Bundesfinanzhof zwar davon aus, dass Krankheitskosten dem Steuerpflichtigen ohne Rücksicht auf die Art und die Ursache der Erkrankung aus tatsächlichen Gründen zwangsläufig erwachsen. Allerdings würden nur solche Aufwendungen als Krankheitskosten berücksichtigt, die zum Zwecke der Heilung einer Krankheit oder mit dem Ziel erbracht werden, die Krankheit erträglich zu machen. Die Empfängnisunfähigkeit einer Frau sei eine Krankheit. Erforderlich sei allerdings in jedem Fall, dass die künstliche Befruchtung mit dem Ziel erfolge, die auf einer “Krankheit” der Frau (Empfängnisunfähigkeit) oder des Mannes (Zeugungsunfähigkeit) beruhende Kinderlosigkeit zu beheben. Im Streitfall war die Frau bei Vornahme der Kinderwunschbehandlung im Streitjahr bereits 40 Jahre alt. In diesem Alter sei die Fertilität einer Frau nach allgemeinen medizinischen Erkenntnissen im Durchschnitt bereits erheblich gegenüber derjenigen jüngerer Frauen herabgesetzt, ohne dass man insoweit von einer “Krankheit” sprechen könnte. Mangels Krankheit sei daher der Abzug der Aufwendungen ausgeschlossen.

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